Wer nach Jeannette Urzendowsky sucht, stößt auf sie meist über ihre Kinder: Sebastian Urzendowsky und Lena Urzendowsky gehören seit Jahren zu den gefragtesten deutschen Schauspielern. Ihre Mutter ist jedoch keine Frau aus der Filmbranche, sondern HNO-Fachärztin in Berlin-Kreuzberg – und nebenbei Chanson-Sängerin auf Kleinkunstbühnen.
Ärztin mit Musikabitur und DDR-Medizinstudium
Jeannette Urzendowsky – mit vollem Namen Ursula Jeanette Urzendowsky, laut Arztregistern mit dem Titel Dipl.-Med. – wurde in der Boxhagener Straße in Berlin-Friedrichshain geboren. Sie legte ihr Musikabitur am Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium ab und studierte anschließend Medizin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwischen 1988 und 1992 absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur HNO-Ärztin. Auf ihrer eigenen Website nennt sie sich zusätzlich Fachärztin für Psychotherapie. Seit Juli 2005 praktiziert sie in der HNO-Gemeinschaftspraxis in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg.
Ein Tagesspiegel-Newsletter aus dem Mai 2021 beschrieb sie als 59-Jährige, was auf ein Geburtsjahr um 1961 oder 1962 hindeutet. Ein genaues Geburtsdatum ist öffentlich nicht dokumentiert.
Von der Folk-Band zur „Chanson-Nette”
Schon während des Medizinstudiums spielte sie in einer Folk-Band. In den 1990er Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Chanson der Weimarer Republik neu. Ab 1995 trat sie in Berliner Salons mit Liedern aus den 1920er Jahren auf, ab 1999 nahm sie Schauspiel- und Gesangsunterricht.
Seit 2003 steht sie unter dem Künstlernamen „Chanson-Nette” – ein Wortspiel aus Chansonette und ihrem Vornamen – auf Kleinkunstbühnen. Ihr Repertoire reicht von Claire Waldoff über Friedrich Hollaender bis zu eigenen Chansons. Ein Schwerpunkt ist das Gedenken an jüdische Künstler, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Sie ist Ehrenbotschafterin des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz und Bernburg an der Saale.
Im Herbst 2026 stehen mehrere Auftritte an: eine Friedrich-Hollaender-Hommage zu dessen 130. Geburtstag im Romanischen Café am Berliner Breitscheidplatz, das Programm „Berlin-Odessa-Express” im Ballhaus Wedding sowie „Chanson meets Jazz” in der Kreuzkirche Schmargendorf.
Mutter von Sebastian und Lena Urzendowsky
Jeannette Urzendowskys Sohn Sebastian wurde am 28. Mai 1985 in Ost-Berlin geboren. Er spielte seine erste Hauptrolle 1999 in „Paul Is Dead” – damals noch unter dem Namen Sebastian Schmidtke. Für „Der Turm” und das NSU-Drama „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage” erhielt er den Grimme-Preis und wirkte in der Serie „Babylon Berlin” mit. Er lebt in Berlin.
Tochter Lena, geboren am 16. Februar 2000 in Berlin, wurde 2016 durch den Fernsehfilm „Das weiße Kaninchen” bekannt und ebenfalls mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. 2026 erhielt sie den Deutschen Filmpreis für ihre Nebenrolle in „In die Sonne schauen”. Seit der Spielzeit 2025/2026 gehört sie zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich.
Ob Sebastian Urzendowsky eigene Kinder hat, ist öffentlich nicht bekannt. Das häufig in Suchmaschinen auftauchende Keyword „Sebastian Urzendowsky Kinder” bezieht sich in vielen Fällen auf seine Rolle in der Amazon-Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”, nicht auf Nachwuchs.
Scheidung, Patchwork-Familie und Christoph Stollowsky
Laut Munzinger-Archiv ließen sich Sebastians Eltern scheiden, als er etwa sechs Jahre alt war. Der Name seines Vaters ist öffentlich nicht geläufig – Sebastian trat anfangs unter dem Nachnamen Schmidtke auf, was auf den Nachnamen des Vaters hindeuten könnte.
Jeannette Urzendowsky und der Tagesspiegel-Redakteur Christoph Stollowsky lernten sich nach Stollowskys eigener Darstellung im Sommer 1991 am Liepnitzsee kennen. Sie zogen zunächst nach Friedrichshain, später nach Steglitz. In einem Tagesspiegel-Beitrag von 2006 bezeichnete Stollowsky die gemeinsame Tochter Lena als damals sechsjährig. Auf ihrer Website beschreibt Jeannette Urzendowsky Stollowsky als „Vater unserer zusammen vier erwachsenen Kinder und Großvater von vier Enkeln” – offenbar eine Patchwork-Konstellation. Stollowsky ging 2019 beim Tagesspiegel in den Ruhestand. Die Familie lebt nach Jeannettes eigenen Angaben seit dem Jahr 2000 im Südwesten Berlins.
Impfärztin in der Pandemie
Während der Corona-Pandemie arbeitete Jeannette Urzendowsky zusätzlich als Impfärztin im Berliner Impfzentrum in der Arena. In einem Tagesspiegel-Interview von Mai 2021 kritisierte sie das Arzthonorar von 120 Euro pro Stunde als „viel zu hoch” und setzte sich dafür ein, dass Ärzte 30 Euro pro Schicht an Künstlerinnen und Künstler spenden, die pandemiebedingt ohne Einkommen waren.
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Quellen: Chanson-Nette – Über mich | Tagesspiegel Newsletter Steglitz-Zehlendorf, 12.05.2021 | HNO-Gemeinschaftspraxis Bergmannstraße | Munzinger-Archiv: Sebastian Urzendowsky | Chanson-Nette Termine 2026
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